Von der Schönheit der Verschiedenheit

(some English Words below)

Dublin, 20. Februar 2020

Der Blick in die Nachrichten heute morgen war schon ein ziemlicher Schock: Ein Massaker in Hanau bei Frankfurt am Main mit vielen Toten und einem offensichtlich rassistischen Motiv. Großes Erschrecken in den Medien, denn offensichtlich geht die Saat derer, die Rassismus und Hass säen, auf.

Aber was hält man dem entgegen?

Gestern Abend war die Londoner Rabbinerin Debbie Young-Somers bei uns im Lutherhaus zu Gast. Auf Einladung des Irish Council of Christians and Jews hielt sie einen Vortrag über den christlich-jüdischen Dialog. Zwei wichtige Aussagen teile ich gerne:

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Christen und Juden (und auch andere Religionen) sollten einander auf Augenhöhe begegnen, als Geschwister und nicht als Herr und Untergebener. Verschiedenheit ist eigentlich etwas Schönes: Die Blickrichtung einer anderen Religion hilft mir, meine eigene besser zu verstehen. Der Horizont weitet sich. Wir müssen nicht andere von unserer Religion verkrampft überzeugen wollen. Wir können Verschiedenheit begrüßen und feiern, weil sie bereichernd ist.

Am Ende des Vortrags zitierte sie aus 2. Mose 33: Dort ist davon die Rede, dass Mose, nach dem Erhalt der 10 Gebote, gerne Gott sehen wollte. Aber Gott stellt ihn in eine Felsspalte, geht an ihm vorüber und sagt: Mein Angesicht kannst du nicht sehen, aber du kannst hinter mir her sehen. Eine rabbinische Auslegung dazu: Kein Mensch kann Gott sehen, weil Gott viel größer ist als all unser Erkenntnisvermögen. Aber wenn alle Israeliten am Sinai zusammengetragen hätten, was sie von Gott wahrgenommen haben, würde das schon ein genaueres Bild geben. – Wahrheit und Erkennen kann nie ein Mensch für sich allein beanspruchen. Aber die verschiedenen Wahrheiten zusammengesetzt ergeben ein gutes Bild. Und so ist eine moderne, bunte Gesellschaft mit ihren verschiedenen Einsichten viel näher an der Wahrheit als eine, die nur eine Sichtweise gelten lässt.

Nach dem Abend gestern und den Nachrichten heute ist mir noch einmal mehr aufgegangen, wie wichtig und schön und festlich all diese Treffen sind: Dublin Council of Churches, Irish Council of Churches, Dublin City Interfaith Forum, Irish Council of Christians and Jews – und noch viel mehr all die privaten Begegnungen mit Menschen, die anders sind als wir und dann doch so ähnlich und dabei sehr bereichernd. Da liegt die Zukunft, die Segen bringt!

(pic shows Rabbi Debbie Young Somers, speaking in the Lutherhaus)

Rabbi Debbi Young-Somers was guest speaker in the Lutherhaus on behalf of the Irish Council of Christians and Jews. Her topic: The Christian-Jewish Dialogue – has it done was it should do? What next? 

Her main message was: Christians and Jews are siblings. There is no reason claiming a superior status for one of the two. Diversity is a gift: Learning to understand a different religion means getting a better understanding of my own one. Different religions should see what they have in common, and they should embrace and celebrate the differences. 

Exodus 33 tells us the story of Moses who asked God if he could see his face. God rejected.  The Rabbinic explanation: The true God can’t be seen by one person, because he is more than we are able to see. If all Israelites have put their views together, the truth about God could be found in the combination of all personal views. This is a good guideline to understand Religions and their truth nowadays. 

 

First Day of Brexit

First Day of Brexit: I never ever accept new boundaries. We stay connected.

The best I could do today: Attending “Music and Spirituality – Interfaith sounds” in Christ Church Cathedral Dublin (part of UN World Interfaith Harmony Week). My contribution was playing Jiddisch songs on the Accordion, commemorating the lost world of Jiddish “Shetl” (small towns) during WW II, 75 years after liberation of Auschwitz. Pictures show some examples of the music.