Ende Januar 2019. Was nun, Großbritannien, Irland und Europa?

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Das ist die Grenze in Irland auf der Autobahn M1 am 27. Januar 2019. Woche für Woche wird das Schild beschmiert, verunstaltet, mit Farbe beworfen. Jetzt steht eine Kamera dahinter.

Im Lauf der Jahre, Monate und Wochen seit der Brexit – Entscheidung ist immer mehr Enttäuschung und Ratlosigkeit zu spüren, in beiden Teilen Irlands. Was ist das nur für eine Politik, die da gemacht wird in London, aufbauend auf ein Referendum, das seinerseits durch falsche Versprechungen genährt wurde: Alle werden Verlierer sein, und am schmerzhaftesten wird die EU-Außengrenze in Irland sein.

Schade, dass bei all den Brexit-Verhandlungen vor allem über Wirtschaft und Abschottung geredet wird, nicht aber über das, was die Idee der Europäischen Union vor allem gebracht hat: Die längste Friedensperiode Europas seit langem und den unglaublichen Schatz freier Bewegung in ganz Europa – allein was das für die Universitäten bedeutet hat, ist unglaublich.

Was sagt man als Pfarrer dazu? Ich versuche immer, Beispiele aus der Bibel zu finden, um die Gegenwart zu deuten und zu verstehen. Ich schaue mir das Parlament in London an und denke manchmal: Meine Güte, ist das verworren – und wie einfach wäre es, ein Mensch würde jetzt einfach bestimmen.

Schaut man sich in den Evangelien um, merkt man, wie schwierig der Umgang unter den Jüngern und mit Jesus war: Sie erzählen weiter, was sie nicht weitererzählen sollen, sie verstehen vieles nicht, sie sind manchmal eitel und selbstsüchtig und wollen immer vorne sein. Aber es ist ein lebendiges Miteinander, bei dem Jesus überzeugen möchte, nicht nur befehlen.

Dasselbe passiert zur Zeit im Englischen Parlament und im Zusammenspiel mit der EU. Gewiss, wir können es alle kaum mehr mit anschauen. Aber das alles ist Demokratie, und Demokratie ist immer ein Ringen um Wahrheiten und Wege. Und wir bekommen die Debatten teilweise live übertragen.

Miteinander reden ist oftmals schwierig und anstrengend. Und die Versuchung lauert immer vor der Tür, nach der starken Autorität zu rufen, nach einem autoritären Jesus genauso wie nach einer mächtigen Führungsgestalt. Aber das ist Demokratie, und wir können dankbar sein, dass wir sie haben in Europa. Die schlechteste Demokratie ist noch besser als Diktaturen wie in Russland, China oder der Türkei, wo einige wenige Privilegierte allen befehlen, wie sie zu leben haben, wo Menschen weggesperrt werden wegen ihrer Meinung und viele in dauernder Angst leben.

Eine schwache und dauernd diskutierende und um Gott und den Glauben ringende Kirche ist vermutlich näher dran am Reich Gottes als eine, die straff durchorganisiert und effizient ist, in der die Menschen aber Angst haben müssen.

Und wie ist es in Irland nun mit den Kirchen? Viele Radiostationen, die bei mir in diesen Tagen anrufen, fragen, ob der Religionskrieg wieder los geht. Zum einen glaube ich das nicht und zum anderen waren die Konfessionen in der Vergangenheit nur der äußere Anstrich des Konfliktes. Die Kernfrage war immer und ist es heute noch: Fühle ich mich als Ire? oder als Brite? Es ist nun mal so, dass die Briten den Protestantismus mitgebracht hatten und so entsteht diese Verbindung und der Eindruck des Religionskonflikts. Aber vor allem ist zu sagen: Durch alle Jahre des Bürgerkriegs bis heute sind alle Kirchen Irlands inselweit organisiert. Manche Bischöfe haben Bistümer halb im Norden, halb im Süden der Insel, und auch mein Kirchengebiet ist genau die irische Insel. Brückenbauer sind die Christen vor allem, und es waren die erst geheimen und dann öffentlichen Begegnungen von katholischen Priestern und protestantischen Reverends, die in Nordirland eine Versöhnung ermöglichten, die noch längst nicht abgeschlossen ist.

Nicht im Politisieren, sondern im Brückenbauen liegt die Aufgabe der Christen in Irland, in einem zunehmend säkularisierten Land. Davon bin ich überzeugt. Sollte es den Brexit geben, müssen wir trotzdem weiter Brücken bauen und dann erst recht. Die Grenzen in den Köpfen der Menschen sind schließlich viel schlimmer als die physischen Grenzen.

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15. Januar 2019

Heute fallen zwei Daten zusammen, die verschiedener nicht sein könnten: Vor 90 Jahren wurde der Pastor und Bürgerrechtler Martin Luther King in Atlanta / USA geboren, und heute hat das Parlament in Großbritannien über den Brexit-Deal abgestimmt und ihn abgelehnt.

Unvergessen ist der Traum, von dem Martin Luther King bei seiner Rede im August 1963 spricht, ein Traum, in dem es um Gleichberechtigung der Menschen aller Hautfarben geht. Sein Traum ist wohl deswegen unvergessen, weil sich manches dadurch verändert hat in Amerika und auf der Welt, wenn auch nur sehr langsam und mit vielen Rückschlägen. Es ist der alte Traum der Menschheit, für den auch Jesus steht, der Traum von der Würde eines jeden Menschen und einer gelingenden Gemeinschaft.

Der Brexit, was auch immer daraus wird, offenbart eine tiefe Spaltung in der englischen Gesellschaft: Immer mehr Menschen fühlen sich abgehängt von Wohlstand und Wachstum und haben den Eindruck, keinen Einfluß auf Entscheidungen mehr zu haben. In der Trennung von der Europäischen Union und Konzentration auf das eigene Land schien eine verheißungsvollere Zukunft möglich, und viele glaubten den Versprechungen, man würde dann viel mehr Geld haben. Längst wissen die meisten Menschen in United Kingdom, aber auch in ganz Europa, dass der Traum dieser besseren Zukunft auf Lügen und leere Versprechungen gebaut war.

An Tagen wie heute sind wir eingeladen, den realen Traum von Jesus und Martin Luther King nicht zu vergessen. Träume sind nicht nur Schäume, sie können vielmehr der Beweggrund für und das Ziel von Veränderungen sein.

Weise (oder Könige) in Irland unterwegs?

Am Epiphaniassonntag, dem 6. Januar 2019, nachmittags, sind wir in den Dublin Mountains wandern. Es handelt sich um einen Rundweg, den man von zwei Parkplätzen aus erreichen kann. Schon bei der Anfahrt bemerken wir, dass die Parkplätze überfüllt sind, mühsam finden wir eine Lücke für das blaue Auto.

Überall sind Wanderer, meist Familien oder Gruppen, auf dem Weg verteilt. Hier und da sieht man Grüppchen beim Picknick, und manchmal sausen Horden von Kindern durch den Wald neben dem Weg. Was ist los? Wir rätseln. Ob es eine irische Tradition ist, an Epiphanias, dem Dreikönigstag, unterwegs zu sein? Der Theologe in mir beginnt sogleich, eine Theorie zu entwickeln: Die Wanderer tun es den Drei Weisen (drei Königen) aus dem Morgenland gleich und wandern, symbolisch sozusagen. Handelt es sich also um einen Nachklang von Weihnachten, um das Mitnehmen des Lichtes von Bethlehem in den Alltag hinein, wandernd erfahren?

Tage später eine nüchterne Erklärung aus Larissas irischem Büro: Weil die Wohnungen vieler Iren klein und muffig sind und weil es relativ mildes und trockenes Wetter ist, geht man, so oft wie möglich, nach draußen. Und eben erst recht an einem Sonntag, der zugleich das Ende der Weihnachtsschulferien markiert.

 

Happy New Year 2019

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A happy and blessed New Year to all of you!

Follow the star of the three wise men. And listen to the “Jahreslosung” which is a chosen Bible verse for each year:

Suche Frieden und jage ihm nach.
Seek Peace, and pursue it.
(Psalm 34,15a)

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Christmas Tree for St. Finian’s

Christmas Tree for St.Finian’s Church: Bought on Camden Street just down the road. Rosie sold it to me. She has a stand for vegetables all the year at the same place in Camden Street since her youth. Selling Christmas trees is a nice extra income. She was happy that the rain and cold wind stopped now.

Moritz who is with us once a week (as a part of the President’s Challenge for students) helped me bringing the tree to St. Finian’s.

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Farewell to Mariesophie

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From 15th December 2017 until 28th November Mariesophie Magnusson and her husband Andreas lived in Dublin: Mariesophie worked as assistant pastor with me. It was a really good time having a colleague for one year: The congregation enjoyed her sermons, the Sunday school (children’s Sunday service) was encouraged through her work, the “Deutscher Kaffeemorgen” (German Coffee Morning) got three interesting lectures by her, she represented our church in ecumenical and inter religious bodies, she and her husband were part of many events like the Christmas Bazar, and for me it was refreshing having theological discussions and catching up what’s going on in Theology and Church in Germany.

Being assistant pastor for one year is a fantastic opportunity by Mariesophie’s Church in Germany at the end of all her studies and her time in the seminary. A big Thank You! to her Church, the Evangelische Kirche in Hessen und Nassau” that paid her salary.

On 15th December 2018 she will get ordained in her first “own” parish which is Klingelbach, Katzenelnbogen (close to Limburg, Germany). Loads of blessings and good wishes from us to you!

Give future to St. Finian’s Church – fundraising for the new roof

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Monday, 10th December 2018: Until now we raised 8.710,- Euro which is 10% of the sum we have to raise until a refurbishment of the roof will start. In addition to the funding we expect funds from the EKD (Evangelische Kirche in Deutschland).

For further details see http://www.lutheran-ireland.org, button “Kirchendach St.Finian’s”

Thanks a million to all who donated until now!